Samhain – Die dunkle Jahreshälfte?

Samhain – Die dunkle Jahreshälfte?

Jedes Jahr um Allerheiligen beginnt die dunkle Jahreshälfte, alle Säfte der Natur steigen herab und sammeln sich in den Wurzeln. Altes wird abgeworfen, die Essenz im Inneren gespeichert. Auch wir unterliegen diesen Naturrhythmen – oder stimmt das nicht mehr?

Haben wir in unserer hochtechnisierten smarten Lebensumgebung noch einen Bezug zu diesen Energien? Sind die ausbleibenden klirrend kalten Rauhnächte in Zeiten des Klimawandels weiterhin magische Nächte im Kreis des Jahres? Und wo bleibt das Gruseln, wenn die dustergrauen Nächte um Allerheiligen ausbleiben? Haben die Jahresfeste unserer Vorfahren heutzutage noch eine Bedeutung, deren Rituale sie entwickelten, um Bewusstsein zu erlangen und sich in der multidimensionalen Welt zurechtzufinden? Oder haben wir uns in eine Parallelwelt verschoben, fernab dieser Gültigkeit.

Heute ist Samhain – oder auch die Nacht vor Allerheiligen (all allow evening) genannt. Unser diesjähriges Samhainritual liegt schon drei Tage zurück, da wir uns gut vorbereiten wollten. So viel Sonnenschein dieses Jahr, so viel Milde, ein strahlend goldener Oktober zum Verlieben. Ich bezweifle, dass ich dieses Jahr ein tiefes Gefühl zu dieser Thematik aufbauen kann. Und dann ist er da, der 31. Oktober. Etwas liegt in der Luft. Es sind schwierige Energien, denen man sich stellen muss, tiefgehende Prozesse in der eigenen Unterwelt. Davonlaufen ist nicht realistisch, also bleibe ich. Ungelöste Konflikte der Vergangenheit begegnen mir, tauchen schemenhaft vor meinem inneren Auge auf. Ich erkenne, dass es sich lediglich um Geister handelt, die ich einmal rief, Erlebnisse, die mir einmal dienlich waren, aber jetzt schon lange keinen Platz in meiner Welt haben. All diese herumschwirrenden alten Bilder gilt es um diese Zeit loszulassen, damit sie sich nicht in unserer Unterwelt festsetzen und von dort aus regieren. Manifestieren, sich am schöpferischen Prozess in den Rauhnächten beteiligen. Schließlich wachsen wir, bemühen uns, kümmern uns. Eine körperliche und seelische Reinigung im Herbst ist wahrlich ein Jungbrunnen. Ich mache also am 31. Oktober die Erfahrung, dass die Zeitqualität dem entspricht, was unsere Ahnen dem Heiligen Fest Samhain zugedachten. Das verbindet uns tief mit ihnen. Und dafür ist es ja auch da – Allerheiligen, das Fest der Toten und Ahnen. Derer die kamen und noch kommen werden.

Samhain wurde übrigens auch in der Oberpfalz ähnlich gefeiert. Noch in den 1970er Jahren höhlte man traditionell Rüben (!) aus und stellte sie vor der Türe auf. Ursprünglich verhielt man sich bei uns jedoch leise, ja sogar verhalten, denn man fürchtete die Wilde Jagd der Wesen aus der Anderswelt. Dieser Respekt ist uns in manchen Teilen der Erde abhanden gekommen, wie so oft werden alte Bräuche stark überzogen oder teils pervertiert. Ich kann auch nicht behaupten zu wissen, welche exakte Bedeutung die Jahresfeste für unsere Ahnen hatten, das kann leider niemand. Diese alte Kultur ist leider wegen einiger Strömungen in der Geschichte untergegangen. Aber wir sind die Ahnen der Gegenwart, wir können eine neue friedliche, liebevoll der Natur zugewandte Kultur leben… uns verbinden mit der Weisheit und Innigkeit unserer Ahnen. Also lasst uns respektvoll den Lehnstuhl an den Ofen schieben, die Pfeife stopfen und auf leisen Sohlen den Raum für die Ahnen freimachen…

 

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